Anerkennung von Arbeit in Organisationen

Anerkennung von Arbeit in Organisationen: sozial- und arbeitswissenschaftliche Grundlagen

Univ.-Doz. Ralph Sichler

Obwohl in der Arbeits- und Organisationspsychologie Anerkennung als entscheidender Motivator für arbeitende Individuen und sozialer Mediator für Interaktionen in Organisationen an vielen Stellen hervorgehoben wird, existiert im Grunde keine ausgearbeitete psychologische Theorie sozialer Anerkennung. Dies betrifft sowohl die damit verbundenen Interaktionsprozesse als auch die individuelle Wahrnehmung und Verarbeitung von Anerkennung.

Auf der Grundlage von sozialpsychologischen Interaktions- und Rollentheorien sollen die Genese von Anerkennungsinteraktionen in der primären (familiäre Bezugspersonen), sekundären (schulische Interaktionspartner) und tertiären (berufliche Interaktionspartner) Sozialisation sowie verschiedene Formen und Ebenen von Anerkennung (direkte/indirekte A.; konkrete/generalisierte A.) konzeptualisiert und Methoden zu ihrer Erforschung und Diagnose entwickelt werden. Zwei Forschungsfragen sollen dabei zunächst im Mittelpunkt stehen:

1) Welche Ebenen und Formen von Anerkennung wirken sich in welcher Weise auf das produktive Handeln und die sich daran anschließenden Rückkopplungsprozesse aus?

2) Wie entwickeln sich die verschiedenen Ebenen und Formen von Anerkennung im Kontext von Arbeit und Lebensführung im Verlauf der beruflichen Sozialisation?

Für dieses Vorhaben einer sozialisationstheoretisch und sozialpsychologisch orientierten Begründung des Begriffs der Anerkennung existieren bereits Vorarbeiten, die im Rahmen des Habilitationsprojekts von Sichler (2006) realisiert wurden, und erste explorative sowie hypothesenprüfende Studien. Weitere internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit ist in Vorbereitung.