Kommunikation im Medium Bild

Kommunikation im Medium Bild. Eine rekonstruktive Studie zu Standards der Verständigung am Beispiel von Mode und Kleidung

Univ.-Ass. Dr. Aglaja Przyborski

Das angestrebte Forschungsprojekt will herausfinden, ob und wie formale Elemente der Bildgestaltung als Träger ikonischer Semantik zu alltäglichen Standards der Verständigung im Medium Bild gezählt werden können und auf diese Weise einen Beitrag zur Entwicklung qualitativer Methoden leisten. Die aktuelle wissenschaftliche Hinwendung zum Bild und damit zur Ikonizität, mittlerweile als „iconic“ und „pictorial turn“ bezeichnet, eröffnet auch für die Sozialwissenschaften wichtige neue Perspektiven nicht zuletzt grundlagentheoretischer Natur. Empirische Methoden sind dann fruchtbar, wenn sie in systematischer und lebendiger Verbindung mit grundlagentheoretischen Entwicklungen stehen, d.h., wenn empirische Evidenzen Grundlagentheorien stimulieren und umgekehrt theoretische Überlegungen zu einem Neuansetzen empirischer Methodologien und Methoden führen.

Derartige Standards der Verständigung sind für das Medium Sprache bereits sehr weitreichend erforscht. Zu diesem Wissen gehört – um ein kleines Beispiel zu geben – das sprachliche Format der Erzählung. Es hat einen wissenschaftlich rekonstruierbaren, klar benennbaren Aufbau, an den wir uns halten, in der Regel völlig ohne ihn bewusst einzusetzen. Bisher haben sich mit derartigen formalen Trägern von Bildsemantik vor allem Kunstwissenschaftler auseinandergesetzt. Zu ihnen lässt sich u.a. die perspektivische Projektion zählen. Ihre systematische Erforschung ist für die Sozialwissenschaft in einer Zeit eines großen Schubs der medialen Entwicklung durch die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung und der damit verbundenen Bilderflut besonders interessant. Denn sie erlaubt eine Methodenentwicklung, der das Medium Bild in seiner Eigengesetzlichkeit bereits eingeschrieben ist und eröffnet damit einen Zugang zu Orientierungen, Sehnsüchten und Ängsten, die sich z.T. wortlos durch Bilder vermitteln.

Einen Zugang zur Verständigung im Medium Bild finden wir anhand von kommerziellen und privaten Bildern zu Mode und Kleidung, die von Untersuchungsgruppen aus jeweils unterschiedlichen Milieus ausgewählt werden. Mit dem systematischen Vergleich des Bildmaterials lässt sich herausarbeiten, in welcher Weise formale Gestaltungselemente sich im Sinne von Standards der Verständigung als tragfähig erweisen. Zudem wird die Frage ausgelotet, in welchem Verhältnis kommerzielle und alltägliche stilistische Inszenierungen stehen. Um die Sinnvermittlung auf der Ebene des Bildlichen von jener auf der Ebene von Sprache trennen und zugleich die alltägliche Einbettung bildlich gegebener Sinnstrukturen einschätzen zu können, soll zudem mit Gruppendiskussionen auf der Basis der Bilder gearbeitet werden. Mode eignet sich aus drei Gründen gut für das angestrebte Erkenntnisinteresse: Ihre Parameter werden in erster Linie über Bildlichkeit vermittelt, sie ist allgegenwärtig im alltäglichen Leben und ihre Funktion liegt ausschließlich im Sozialen.