Laufende Forschungskomplexe

Forschung an der Fakultät für Psychologie

An der Universität befruchten sich Forschung und Lehre gegenseitig. Die StudentInnen und KandidatInnen an der Fakultät für Psychologie sind daher herzlich eingeladen, bei den folgenden interdisziplinären und internationalen Kooperationsprojekten mitzuarbeiten, indem sie in Koordination mit den zuständigen Projektleitern Qualifikationsschriften anfertigen.

Laufende Forschungskooperationen

* Forschungsverbund
PolitCIGs: Die Kulturen der Zigarette und die Kulturen des Politischen
(Jena – Hamburg – Wien)

Die Zigarette zählt zu den prominentesten Produkten des vergangenen Jahrhunderts. Sie ist ein besonders sensibler Seismograph gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen. Ihre Anmutungen, ihr Geschmack und Geruch, ihre Haptik und Symbolik, aber auch ihr Gebrauch und ihr Genuss, hatten und haben eminent sozialpsychologische und politische Dimensionen. So die grundlegende These des interdisziplinären Forschungsverbundes „PolitCIGs“, der sich aus Historikerinnen und Historikern der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU), Museumswissenschaftlern des Hamburger Museums der Arbeit sowie Psychologinnen und Psychologen der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien-Berlin-Paris (SFU) zusammensetzt. Am Beispiel der Zigarette untersucht „PolitCIGs“ erstmals, wie die Kulturen des Rauchens mit den politischen Kulturen in Deutschland und Österreich des 20. und 21. Jahrhunderts zusammenhängen: Inwieweit werden politische Kulturen direkt oder indirekt gestützt oder hinterfragt, wenn Individuen, soziale Gruppen, Milieus, Generationen oder ganze Gesellschaften über und durch Zigaretten kommunizieren? Welche Art von „Politik“ verbirgt sich hinter dem schönen (unpolitischen) Schein der Zigarette? Welche offenen und versteckten politischen Bezüge entdecken wir in den Tabakmischungen, in den Verpackungen, in der Werbung und im Zigarettenkonsum?

M e h r

Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert diesen interdisziplinären Verbund innerhalb des Programmes „Die Sprache der Objekte: Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen“ seit Oktober 2013 für drei Jahre.

Das Team an der Fakultät für Psychologie der Sigmund Freud PrivatUniversität:
Univ.-Prof. Dr. Rainer Gries
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Benetka
Mag. Martin Fössleitner
MMag. Dr. Stefan Hampl
Dr. Anna Schor-Tschudnowskaja

* Forschungsverbund

GAMe: Geschichtsaneignungen in der Mediengesellschaft
(Jena – Magdeburg – Wien – Leipzig)


Uses of the Past: Mediendiskurse über die Vergangenheit setzen Maßstäbe für die Selbstverständigung und für die Selbstorientierung von Gesellschaften. Anfang des 21. Jahrhunderts bricht sich ein machtvoller Trend Bahn: „Geschichtsevents“ werden im Leitmedium Fernsehen, im Internet und in Computerspielen mit größtem Erfolg angeboten. Millionen sind so nicht nur zum Mit-Erleben, sondern zum Mit-Leben, zum aktiven Neu-Gestalten von Erinnerung aufgefordert. Das zeitigt auch für traditionelle Vermittlungsagenturen wie die Schule und die Gedenkstätten Folgen.

Bis heute verfügen wir jedoch über keinerlei belastbare empirische Studien zu den Modi der Rezeption dieser historischen und historisierenden Angebote. Die mit diesen Geschichtsformaten verknüpfte Kardinalfrage ist wissenschaftlich unbearbeitet und daher auch unbeantwortet: Wie nutzen und wie eignen sich welche Publika respektive User diese neuen multi- und crossmedialen Offerten des Historischen an?

Diesem geradezu fahrlässigen kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Manko wollen wir mit dem interdisziplinären und internationalen Forschungsverbund „Geschichtsaneignungen in der Mediengesellschaft“ abhelfen. Historiker, Psychologen, Medien-, Kommunikations- und Informationswissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Universitäten Leipzig und Wien sowie der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien/Berlin/Paris kooperieren mit den Fernsehsendern 3sat und MDR sowie der Medienanstalt Sachsen-Anhalt. Unser Erkenntnisinteresse ist es, mit Hilfe transdisziplinärer Methoden erstmals systematisch und koordiniert Geschichtsaneignungen in europäischen Gesellschaften vergleichend zu untersuchen. Dabei legen wir ein besonderes Augenmerk auf Jugendliche als Akteure, denn ihre gegenwärtige politische und moralische Sozialisation wird unsere Gesellschaften in der Zukunft prägen.

M e h r

Das Team an der Fakultät für Psychologie der Sigmund Freud PrivatUniversität:
Univ.-Prof. Dr. Rainer Gries
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Benetka
MMag. Dr. Stefan Hampl

* Forschungsverbund
Die Geschichte und Psychologie der Besatzungskinder

Vom Herbst 1944 an marschierten die Truppen der Alliierten in Deutschland und in Österreich ein. Ende 1945 kamen die ersten Besatzungskinder zur Welt. Schätzungen gehen davon aus, dass in den beiden Ländern während des ersten Nachkriegsjahrzehnts etwa 440.000 Kinder geboren wurden, deren Väter Besatzungssoldaten und deren Mütter Einheimische waren. Nur in den seltensten Fällen erkannten die Erzeuger ihre Vaterschaft amtlich an. Diese Kinder trugen daher Zeit ihres Lebens ein doppeltes Stigma: Sie waren von unehelicher Geburt und Kinder einer Beziehung mit dem „Feind“. Ihr soziales Umfeld repressierte und diskriminierte sie. Die Kinder und Jugendlichen wurden ausgegrenzt, verhöhnt und psychisch wie physisch misshandelt. Sie galten als „Bankerte“ oder „Bastarde“, „Russenbälger“, „Amikinder“ oder gar als „Negerbrut“.

Bei vielen Besatzungskindern machten sich die Folgen solcher Erfahrungen in Kindheit und Jugend erst nach Jahrzehnten bemerkbar. Heute, bald siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, sind sie ins Rentenalter gekommen. Die sich abzeichnenden Grenzen der Lebenszeit fordern sie dazu auf, die Tabus und Deckerzählungen der eigenen Biographie zu hinterfragen.

In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für die Geschichte der Neuzeit am Institut für Geschichte der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg (Prof. Dr. Silke Satjukow) verknüpfen wir die Erforschung der individual-, entwicklungs- und sozialpsychologischen Prozesse mit der Aufklärung der gesellschaftlichen und politischen Dimensionen der Geschichte der Besatzungskinder.

Das Team an der Fakultät für Psychologie der Sigmund Freud PrivatUniversität:
Univ.-Prof. Dr. Rainer Gries
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Benetka
Felicitas Auersperg, MSc.
Dr. Amrei Zopf-Jörchel