Rekonstruktive Videointerpretation

Rekonstruktive Videointerpretation nach der dokumentarischen Methode

Univ.-Ass. MMag. Dr. Stefan Hampl

Die Film- und Videointerpretation nach der dokumentarischen Methode (Bohnsack 2003a, 2003b, 2008, Przyborski 2008) verkörpert einen viel versprechenden neuen Zugang zur Analyse von Videodaten, der die Ansätze existierender Forschungsmethoden und empirischer Wissenschaften zusammenzuführen vermag.

Aus methodischer Sicht geht es um die Rekonstruktion jenes Habitus, der sich in Einzelbildern und Videosequenzen dokumentiert. Die Stärke der dokumentarischen Videointerpretation liegt darin, dass sie bereits auf vorbegrifflichem Niveau ansetzt, wodurch ein unmittelbarer empirischer Zugang zur formalen Struktur des bewegten Bildes möglich wird.

In Bezug auf die Datenrepräsentation kommt das Transkriptionssystem MoViQ zur Anwendung, das ich gemeinsam mit Aglaja Przyborski in den letzten Jahren entwickeln konnte. Es repräsentiert eine Möglichkeit Video- und Audiodaten – in ihrer direkten Verbindung miteinander – in etablierten und verbreiteten Publikationsformen darzustellen. Seine technische Umsetzung findet dieses Transkriptionssystems in der Entwicklung der Auswertesoftware MoviScript (Hampl), die auf der dazugehörenden Begleithomepage
www.moviscript.net kostenlos erhältlich ist.

Literaturauszug

  • Arnheim, R. (2002). Film als Kunst. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. Erstausgabe 1932 im Rowohlt-Verlag
  • Arnheim, R. (2000). Kunst und Sehen. Eine Psychologie des schöpferischen Auges. 3., unv. Aufl. Berlin, New York: de Gruyter
  • Bohnsack, R. (2003a). Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in qualitative Methoden. 5. Auflage. Opladen, Leske & Budrich
  • Bohnsack, R. (2003b). Die dokumentarische Methode in der Bild- und Fotointerpretation. In: Ehrenspeck, Y., Schäffer, B. (Hg.): Film- und Fotoanalyse in der Erziehungswissenschaft. Ein Handbuch. Opladen: Leske+Budrich
  • Bohnsack, R. (2008). Qualitative Bild- und Videointerpretation. Einführung in die dokumentarische Methode. Opladen & Farmington Hills: Barbara Budrich Verlag
  • Imdahl, Max (1994): Ikonik. Bilder und ihre Anschauung. In: Boehm, Gottfried: Was ist ein Bild? München: 300–324.
  • Latour, B. (2000). Die Hoffnung der Pandora. Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissenschaft. Frankfurt am Main, Suhrkamp
  • Mannheim, K. (1980). Strukturen des Denkens. Frankfurt am Main, Suhrkamp
  • McLuhan, M. (1964). Understanding Media. The extension of man. Corte Madera, Gingko Press
  • Panofsky, E. (1939/1955): Ikonographie und Ikonologie. In: Kaemmerling, Ekkhard (Hrsg.) (1979) Ikonographie und Ikonologie: Theorien, Entwicklung, Probleme. Stuttgart
  • Przyborski, A. (2004). Gesprächsanalyse und dokumentarische Methode. Qualitative Auswertung von Gesprächen Gruppendiskussionen und anderen Diskursen. Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • Przyborski, A., Hampl, S. (in Vorbereitung). MoViQ: Ein Transkriptionssystem zur Erfassung von Filmen für eine rekonstruktive Auswertung
  • Przyborski, A., Wohlrab-Sahr, M. (2008). Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch. Oldenbourg
  • Slunecko, T. (2003). Reality TV und postmoderner Affekt. Ein Laborbericht. In A. Birbaumer & G. Steinhardt (Hrsg.) Der flexibilisierte Mensch. Subjektivität und Solidarität im Wandel. Heidelberg, Asanger, 111- 123.
  • Slunecko, T. (2008). Von der Konstruktion zur dynamischen Konstitution. Beobachtungen auf der eigenen Spur. 2. überarb. Aufl. Wien, WUV.