Vienna Comparative Psychotherapy Research Project (VCPP)

Vergleichende Psychotherapieforschung. Vienna Comparative Psychotherapy Research Project (VCPP)

Univ.-Ass. Dr. Diana Braakmann und Univ.-Ass. Dr. Omar Gelo

Vergleichende Psychotherapieforschung im Rahmen des vorliegenden Projekts beschäftigt sich nicht nur mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden psychotherapeutischer Methoden und deren Wirksamkeit, wie es in diesem Forschungszweig traditioneller Weise häufig geschieht. Vielmehr spielen auch Vergleiche auf den Ebenen der Therapeuten- und Klientenvariablen und deren Interaktion mit psychotherapeutischen Ansätzen eine besondere Rolle. Hierbei werden Prozess- und Ergebnisvariablen sowie deren Zusammenhänge berücksichtigt, die mit einer Kombination aus qualitativen (z.B. Change Interview; Elliott et al., 2001) und quantitativen Methoden (z.B. Selbstbeurteilungsinstrumente) untersucht werden. Innerhalb des Projekts werden folgende Fragestellungen bearbeitet:

1. Rolle methodenübergreifender Wirkfaktoren für das Therapieergebnis
Bereits bis zum Jahr 1994 lagen mehr als 2000 gesicherte Zusammenhänge zwischen Prozessmerkmalen und Therapieergebnis vor (Orlinsky, Grawe & Parks, 1994). Als besonders bedeutender Faktor hat sich die therapeutische Beziehung erwiesen (Grawe et al., 1994). Die Methodenvielfalt hinsichtlich psychotherapeutischer Ansätze an der SFU ermöglicht eine vertiefte Untersuchung allgemeiner Wirkfaktoren sowie den Vergleich ihrer unterschiedlichen Ausprägungsprofile je nach Therapierichtung. Beispielsweise werden Merkmale der psychotherapeutischen Beziehung mit Hilfe von Selbstbeurteilungsinstrumenten, die regelmäßig nach jeder Therapiestunde ausgefüllt werden, sowohl auf Therapeuten- als auch Klientenseite untersucht. Diese Daten werden flankiert mit Mikroanalysen und standardisierten Ratings des Therapiegeschehens, die anhand von Videobändern und Transkriptionen der Therapiestunden vorgenommen werden. Das Hauptziel bei der Untersuchung der therapeutischen Beziehung ist, Bedingungen zu verstehen, unter denen eine Beziehung in ihrer Qualität bestmöglich für das Therapieergebnis (z.B. erfasst mit dem Change Interview, s.o.) gestaltet ist. Je elaborierter das Verständnis derartiger Prozesse ist, desto wahrscheinlicher wird ein gezieltes Anstreben einer besonderen Güte der therapeutischen Beziehung und damit auch des Therapieergebnisses.

2. Indikationsfrage
Während die Indikationsfrage in der Psychotherapieforschung sich lange mit der potentiellen Wahl einer bestimmten Methode bei einem definierten Problem beschäftigt hat (Grawe et al., 1994), verfolgt das vorliegende Projekt eher die Frage der Interaktion von Klientenmerkmalen mit bestimmten psychotherapeutischen Ansätzen (Garfield, 1994). Mit Hilfe von Selbstbeurteilungsinstrumenten werden z.B. Persönlichkeitsvariablen, interpersonelle Merkmale oder subjektive Erwartung von Veränderung auf der Klientenseite untersucht, um den Einfluss der Wechselwirkungen mit der Therapiemethode auf das Therapieergebnis zu untersuchen.

3. Rolle von Therapeuten- und Klientenvariablen sowie deren Interaktion für das Therapieergebnis
Weiterhin liegen Hinweise dafür vor, dass die Passung zwischen Therapeuten- und Klientenvariablen Einfluss auf das Therapieergebnis hat (Beutler et al., 1994). Zu untersuchende Variablen sind beispielsweise der ‚locus of control’ im Sinne eines Erlebens von Selbstwirksamkeit, Einstellungen, Überzeugungen, die Dimension der Dominanz aber auch direkt beobachtbare Merkmale wie Alter, Geschlecht und Ethnizität. Vor dem Hintergrund der hohen Anzahl von TherapeutInnen unterschiedlicher Nationalitäten, die in der Ambulanz der SFU tätig sind, lässt sich diesen Fragen im vorgestellten Projekt ausführlich nachgehen.

4. Tätigkeitsprofil für Studierende
Die Rolle der Studierenden im Praktikantenstatus ist vor allem durch die Durchführung und Auswertung klinisch-psychologischer Testverfahren gekennzeichnet, deren Ergebnisse in die Bearbeitung der oben genannten Fragestellungen eingehen. Darüber besteht die Möglichkeit, die Diagnostik psychischer Störungen durch erfahrene Psychotherapeuten zu hospitieren. Auf diese Weise sind einerseits multiple Trainingsmöglichkeiten gegeben, die es den Studierenden erlauben, Routine in klinisch-diagnostischer Tätigkeit zu entwickeln. Andererseits eröffnen sich ihnen Einblicke in die komplexe Anwendung der im Basiscurriculum erlernten Forschungsmethoden. Auch die Vergabe von Themen für die Masterarbeit ist in diesem Kontext möglich.

Basisliteratur:

  • Beutler, L.E., Machado, P.P.P, and Alstetter Neufeldt, S.A. (1994). Therapist variables. In: Bergin and Lambert (Eds.). Handbook of Psychotherapy and Behavior Change. New York: Wiley.
  • Elliott, R., Slatick, E. and Urman, M. (2001).Qualitative Change Process Research on Psychotherapy. In: Frommer and Rennie (Eds.).Qualitative Psychotherapy Research: Methods and Methodology. Berlin: Pabst.
  • Garfield, S.L. (1994). Research on Client variables in Psychotherapy. In: Bergin and Lambert (Eds.). Handbook of Psychotherapy and Behavior Change. New York: Wiley.
  • Grawe, K., Donati, R. und Bernauer, F. (1994). Psychotherapie im Wandel. Von der Konfession zur Profession. Göttingen: Hogrefe.
  • Orlinsky, D.E., Grawe, K., and Parks, B.K. (1994). Process and Outcome in Psychotherapy: Noch einmal. In: Bergin and Lambert (Eds.). Handbook of Psychotherapy and Behavior Change. New York: Wiley.
  • Tashakkori, A and Teddle, C. (2003). Mixed methods in social and behaviour research. Thousand Oaks: Sage.