Die Arbeitsgemeinschaft Philosophie & Psychologie gründete sich anlässlich der von der Thyssen-Stiftung geförderten Tagung „Die historische Entwicklung des Verhältnisses von Philosophie und Psychologie“ in Erlangen am 28.09.2018. Wir sind Philosoph*innen und Psycholog*innen, die einen interdisziplinären Zugang zu wichtigen aktuellen und historischen Forschungsfragen und -problemen im Schnittbereich der Wissenschaften Philosophie und Psychologie suchen. Wir betrachten uns als Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Denktraditionen und Schulrichtungen.

Aufgaben und Ziele

Mit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Philosophie & Psychologie verbindet sich unser Wunsch, Wissenschaftler*innen aus allen Bereichen sowie Personen anzusprechen, die sich für das Forschungsgebiet Philosophie & Psychologie interessieren. Unter Philosophie & Psychologie verstehen wir ein Wissensgebiet, das erkenntnistheoretisch und historisch unterschiedliche Themen umfasst, wie z. B. das Verhältnis zwischen Physischem und Psychischem (Leib-Seele-Problem und Bewusstsein) oder die psychologischen und philosophischen Quellen von Ästhetik und Moral. Dabei kann die kontroverse Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Forschungsrichtungen den Horizont der empirischen Wissenschaften für theoretische Innovationen eröffnen. Dieses interdisziplinäre Forschungsgebiet ist im deutschen Sprachraum derzeit nicht organisiert.

Die Wissenschaften Philosophie und Psychologie verband bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts eine enge historische Beziehung. Psychologen wie Wilhelm Wundt, Hermann Ebbinghaus oder Carl Stumpf waren Lehrstuhlinhaber der Philosophie; Karl Jaspers wurde in Psychologie habilitiert, bevor er in die Philosophie wechselte. Mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften vollzog sich eine allmähliche Trennung der beiden Disziplinen. Die Psychologie orientierte sich theoretisch und methodisch an den naturwissenschaftlichen Paradigmen ihrer Zeit. Die Philosophie suchte mit ihrer Fokussierung auf Logik und Begriffsanalyse einerseits und ihrer nicht-empirischen Herangehensweise andererseits eine Abgrenzung von der Psychologie. Obgleich beide Wissenschaften auf ein gleiches Begriffsinventar (wie Bewusstsein, Wahrnehmung, Emotion, Urteil, Denken etc.) zurückgreifen, kam es nur selten zu einer interdisziplinären Zusammenarbeit. Zudem war die zuletzt noch von Carl Friedrich Graumann und Lenelis Kruse vertretene phänomenologische Richtung in der Psychologie seit den 1990er Jahren kaum noch akademisch repräsentiert.

Die seit zwei Jahrzehnten international zunehmende Bedeutung philosophischer, insbesondere phänomenologischer Ansätze etwa auf dem Gebiet der Kognitionswissenschaften oder der Psychiatrie legt nun auch für die Psychologie eine Neubesinnung auf ihr philosophisches Erbe nahe. Um die kommenden Fragen des 21. Jahrhunderts – etwa zum Menschenbild in einer digitalisierten Welt, zum Verständnis des verkörperten Geistes, u.a. – angemessen verstehen und beantworten zu können, scheint uns eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Philosophie und Psychologie heute unabdingbar. Auch auf methodologischer Ebene nähern sich beide Wissenschaften wieder an: Gerade eine auf den kulturhistorischen Kontext ausgerichtete Psychologie bedient sich vermehrt phänomenologisch-hermeneutischer Methoden zum Verständnis psychologischer Probleme. Umgekehrt sucht eine an Interdisziplinarität und wissenschaftlicher Erkenntnis orientierte Philosophie verstärkt die Kooperation zur Psychologie und ihren empirischen Forschungsansätzen. Auch die Experimentalpsychologie profitiert von den kreativen und strukturierenden Impulsen einer Philosophie, deren Interesse sich auf die mundanen Erlebnisweisen der lebendigen Subjekte wendet.

Die Arbeitsgemeinschaft Philosophie & Psychologie setzt sich zum Ziel, diesen interdisziplinären Dialog anzuregen, zu fördern und auf diese Weise nicht zuletzt auch zu einer institutionellen Renaissance der philosophischen Psychologie beizutragen. Konkret planen wir zunächst Publikationen sowie regelmäßige Fachtagungen zum Themenfeld Philosophie & Psychologie.

Veranstaltungen

Konferenz „Erfahrung und Empirie“

Im Verhältnis von Philosophie und Psychologie ist die Frage nach dem, was unter dem Begriff der Erfahrung verstanden wird, zentral. Die Arbeitsgemeinschaft Philosophie & Psychologie veranstaltet zu diesem Thema unter dem Titel „Erfahrung und Empirie“ eine interdisziplinäre Konferenz an der Universität Heidelberg.

Veranstaltungsort: Ruprecht-Karls-Universität, Hauptstraße 47-51, DE-69117 Heidelberg
Datum: 19. bis 22. September 2022
Tagungsgebühr: 30 EUR (kostenlos für Studierende)
Anmeldung unter: erfahrungempirie@phi-psy.de


Vergangene Veranstaltungen:

Diskussion über Phänomenologie | 10.05.2019

Podcast Fipsi

Podcast Fipsi – Dialog zwischen Philosophie und Psychologie
Arbeitsgemeinschaft Philosophie & Psychologie

Folge 36: In dieser Episode diskutieren Hannes Wendler und Alexander Wendt mit ihrem Gast Gerhard Benetka über die soziale Dimension in der Laborsituation.
Dabei sprechen sie die Machtfrage in Experiment und Therapie an und zeigen auf und kontrastieren verschiedene wissenschaftstheoretische Positionen dazu.

Wenn Sie Interesse an Informationen der AG Philosophie & Psychologie haben, schreiben Sie an: psychologie@sfu.ac.at

1. Vorsitzende: Dr. Andrea Lailach-Hennrich (Konstanz)
2. Vorsitzender: Prof. Gerhard Benetka (Wien)
Geschäftsführender Vorsitzender: Alexander Nicolai Wendt, MSc MA (Heidelberg / Verona)
Geschäftsführung: PD Dr. Lars Allolio-Näcke (Erlangen)
Ehrenvorsitzender: Prof. em. Dr. Hans Werbik (Erlangen)

Weitere Vorstandsmitglieder: Prof. Dr. Jagna Brudzinska (Köln/Warschau), Prof. Dr. Godehard Brüntrup (München), Prof. Dr. Jörg Disse (Fulda), Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs (Heidelberg), Prof. Dr. Margret Kaiser-El-Safti (Köln), Hannes Wendler (Köln), Prof. Dr. Dr. Uwe Wolfradt (Halle/Saale)

Detaillierte Informationen finden Sie auf der Website der ARGE Philosophie & Psychologie: https://www.phi-psy.de