PSY | Psychotechnik in Österreich: Ein vergessenes Kapitel der Psychologie
Ein vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) gefördertes Einzelprojekt an der Fakultät für Psychologie untersucht erstmals systematisch die Entstehung und Entwicklung der Psychotechnik in Österreich zwischen 1920 und 1950. Unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dr. Martin Wieser (SFU Berlin) wird ein bislang wenig erforschtes Praxisfeld der angewandten Psychologie in den Blick genommen.
Die Psychotechnik entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Ziel, psychologisches Wissen über den akademischen Bereich hinaus nutzbar zu machen. Psycholog*innen entwickelten und erprobten Methoden der Messung, Eignungstestung und Beratung, die unter anderem im Militär, in der Industrie, in der Verwaltung und im Bildungswesen eingesetzt wurden. Im Zentrum stand dabei die Idee, mithilfe psychologischer Expertise „die richtige Person an den richtigen Platz“ zu bringen.
Fehlende historische Aufarbeitung in Österreich
Während die Geschichte der Psychotechnik in Deutschland bereits gut erforscht ist, fehlt eine vergleichbare Aufarbeitung für Österreich. Um diese Forschungslücke zu schließen, vereint dieses Projekt ein interdisziplinäres Team aus der Psychologie und Geschichte, welches über Zugang zu einer reichhaltigen Menge von Primärquellen und Archivdokumenten aus dem Untersuchungszeitraum verfügt.
Im Zentrum der Analyse steht das Psychotechnische Institut Wien, das Werk und Leben seines Gründers Karl Hackl sowie die dort ausgebildeten Psychotechniker*innen, die sich in der Zwischenkriegszeit im Bereich der psychologischen Eignungstestung und Berufsberatung etablierten.
*Bildnachweis | Quelle: Psychotechnisches Institut Wien, Susanne Hackl-Grümm
5. Februar 2026